Leistungsbezogene Vergütung bei Vogel
Wie ein Unternehmen vergütet, sagt viel darüber aus, wie es über Leistung denkt. Bei Vogel ist leistungsbezogene Vergütung kein nachgelagertes Incentive-Programm, sondern integraler Bestandteil unseres Kompensationsmodells.

Wir arbeiten neben der Fixvergütung mit einer variablen Komponente, die quartalsweise auf Basis einer strukturierten Leistungsbeurteilung ausgezahlt wird. Dieser Beitrag erklärt transparent, wie unser System funktioniert, nach welchen Kriterien wir bewerten und was das für für potenzielle Bewerber konkret bedeutet.
Die Grundsätze
Unser Vergütungsmodell ruht auf fünf Grundsätzen:
Signifikant, aber nicht zu hoch
Die variable Vergütung soll groß genug sein, um als eigenständiger Bestandteil wahrgenommen zu werden – aber klein genug, damit sie nicht zum alleinigen Antrieb wird. Wir wollen keine Kultur, in der Menschen primär für den Bonus arbeiten. Die beste Arbeit entsteht aus intrinsischer Motivation, aus dem Anspruch an sich selbst, herausragende Ergebnisse zu liefern. Die variable Vergütung soll das belohnen, nicht ersetzen.
Quartalsweise Auszahlung
Ein Jahr ist lang. Vieles passiert, vieles gerät in Vergessenheit. Wer einmal jährlich Feedback bekommt, erfährt im Dezember von Dingen, die im März relevant waren. Das ist weder fair noch hilfreich. Ein quartalsweiser Rhythmus ermöglicht schnelleres Feedback, Leistungsschwankungen werden sofort sichtbar und besprechbar, und es gibt keine Jahresend-Überraschungen. Darüber hinaus fließt das Geld früher – ein konkreter Vorteil.
Progressive Variabilität
Mit zunehmender Verantwortung und zunehmendem Gehaltsniveau steigt der Anteil der variablen Vergütung. Das hat zwei Gründe: Erstens ergibt eine höhere Fixvergütung mehr wirtschaftlichen Spielraum für variable Bestandteile. Zweitens rechtfertigt die hervorgehobene Stellung eine konsequentere Kopplung von Leistung und Vergütung. Wer mehr Verantwortung trägt, kann auch stärker an den Ergebnissen gemessen werden.
Transparenz
Jeder Mitarbeiter weiß, nach welchen Kriterien bewertet wird. Keine Black Box, keine Überraschungen am Ende des Quartals. Die Kriterien sind offen kommuniziert und für alle einsehbar. Nur so kann leistungsbezogene Vergütung als fair wahrgenommen werden.
Realistischer Erwartungswert
Wir kommunizieren klar, dass der Maximalwert der leistungsbezogenen Vergütung nicht der Regelfall ist. Der Erwartungswert liegt bei sehr guter Leistung, nicht bei Höchstleistung. Wer die Erwartungen erfüllt, erhält einen fairen Bonus. Wer darüber hinausgeht, wird entsprechend mehr vergütet. Aber niemand sollte mit der Annahme planen, dass der Maximalbonus der Normalfall ist. Das wäre weder ehrlich noch nachhaltig.
Warum qualitative Beurteilung im Zentrum steht
Klassische KPI-basierte Vergütungssysteme haben in dynamischen Umfeldern erhebliche Schwächen. Ziele, die zu Jahresbeginn gesetzt werden, sind am Jahresende oft nicht mehr relevant. Prioritäten verschieben sich, neue Opportunitäten entstehen, Mandantenanforderungen ändern sich. Wer dann auf veraltete Ziele optimiert, weil diese im Bonus verankert sind, tut das Falsche aus den falschen Gründen.
Hinzu kommt ein grundlegenderes Problem: Menschen optimieren auf das, was gemessen wird – nicht auf das, was tatsächlich wichtig ist. Das führt zu kurzfristigem Denken, zur Vernachlässigung nicht incentivierter Aufgaben und im Extremfall zu Manipulation. Wer nur seine Stunden maximiert, aber keine Prozesse verbessert, keine Kollegen unterstützt und keine Mandantenbeziehungen pflegt, erfüllt vielleicht eine Kennzahl, aber nicht unseren Anspruch an exzellente Arbeit.
Deshalb setzen wir auf eine ganzheitliche, qualitative Beurteilung. Sie erlaubt es, den gesamten Kontext zu berücksichtigen – und echten Beitrag zu würdigen, nicht nur messbaren Output.
Die sechs Kriterien
Die quartalsweise Leistungsbeurteilung basiert auf sechs qualitativen Kriterien. Sie spiegeln wider, was wir von exzellenten Mitarbeitern erwarten und was herausragende Arbeit bei uns ausmacht. Die Kriterien gelten unabhängig von der konkreten Rolle oder dem Senioritätslevel – was sich unterscheidet, ist die Erwartung an die Ausprägung, nicht die Kriterien selbst.
Impact – Welche proaktiven Akzente werden gesetzt?
Impact zeigt sich in Proaktivität. Exzellente Mitarbeiter warten nicht, bis ihnen jemand sagt, was zu tun ist. Sie erkennen Beratungspotenziale, bevor der Mandant selbst darauf kommt. Sie adressieren Fragestellungen aktiv, weil sie verstanden haben, dass reaktives Abarbeiten nicht ausreicht. Die Frage am Ende jedes Quartals lautet nicht: Was wurde abgearbeitet? Sondern: Was hat diese Person bewegt, das ohne sie nicht passiert wäre?
Judgement – Wie ist das Urteilsvermögen im Alltag?
Gutes Urteilsvermögen beginnt mit Priorisierung. Nicht alles ist gleich wichtig, nicht alles ist gleich dringend. Exzellente Mitarbeiter entscheiden bewusst, wo sie ihre Zeit investieren. Dazu gehört die Fähigkeit zu entscheiden: selbst lösen oder eskalieren. Wer alles eskaliert, nutzt seinen Spielraum nicht. Wer nie eskaliert, überschätzt seinen.
Communication – Wird klar und ausreichend kommuniziert?
Kommunikation hat bei uns zwei Seiten: Mandantenkommunikation und Teamkommunikation. Beide sind nicht verhandelbar. Gegenüber Mandanten gilt Klarheit vor Diplomatie – professionell heißt nicht weichgespült. Im Team erwarten wir kontinuierliches Feedback in alle Richtungen: Kollegen, Mitarbeiter, Führungskräfte. Wer Probleme sieht, spricht sie an. Direkt, konstruktiv, mit dem Ziel, etwas zu verbessern.
Execution – Wird effizient, effektiv und hochqualitativ umgesetzt?
Im Mandantengeschäft ist Execution gleichbedeutend mit Verlässlichkeit und Effizienz. Termine werden eingehalten, die Arbeit ist formal korrekt und sauber dokumentiert. Gleichzeitig gilt: Nicht jede Aufgabe rechtfertigt drei Tage Recherche. Exzellente Mitarbeiter verstehen, wann 80 Prozent reichen und wann 100 Prozent nötig sind.
Growth – Wird das eigene Wachstum aktiv vorangetrieben?
Wachstum heißt: Am Ende des Quartals besser sein als am Anfang. Konkret und messbar, nicht abstrakt und diffus. Das beginnt mit Feedback – exzellente Mitarbeiter fragen aktiv danach, gehen offen damit um und setzen Kritik um. Wer reflexhaft rechtfertigt, steht sich selbst im Weg.
Values – Werden unsere Werte gelebt?
Werte sind kein Poster an der Wand, sondern zeigen sich im Alltag. In der Art, wie mit Mandanten umgegangen wird, wie Kollegen unterstützt werden und wie mit schwierigen Situationen verfahren wird. Exzellente Mitarbeiter leben unsere Werte nicht nur, sie fordern sie auch ein.
Die Bewertungsskala
Jedes Kriterium wird auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet. Ein zentraler Punkt, der häufig missverstanden wird: Ein Score von 3 ist gute Leistung. Das ist kein Mittelmaß und keine diplomatische Umschreibung für Durchschnitt. Wer eine 3 erreicht, macht seinen Job richtig gut, sehr zuverlässig und mit eigenem Anspruch. Das der Maßstab, an dem wir uns orientieren.
Im Überblick:
- Score 1 – Erwartungen werden nicht erfüllt. Defizite müssen adressiert werden.
- Score 2 – Adäquate Performance. Die Arbeit wird erledigt, aber es werden keine Akzente gesetzt.
- Score 3 – Gute Performance. Eigene Akzente, verlässliche Arbeit, guter Beitrag zum Teamerfolg.
- Score 4 – Sehr gute Performance. Regelmäßiges Übertreffen der Erwartungen, hoher Impact.
- Score 5 – Herausragende Performance. Das Unternehmen wird entscheidend mitgeprägt.
Die Bewertungsstufen sind kumulativ zu verstehen. Heißt: Es reicht nicht, einen einzelnen Aspekt einer Stufe besonders gut zu erfüllen, um diese Stufe zu erreichen. Die Bewertung ergibt sich aus dem Gesamtbild. Jede Stufe beschreibt ein zusammenhängendes Profil, nicht eine Checkliste.
Quantitative Ergänzung im Mandantengeschäft
Im Mandantengeschäft ergänzen wir die qualitative Beurteilung um zwei einfache, robuste quantitative Parameter. Diese Kombination ist sinnvoll, weil bestimmte Tätigkeiten planbarer und wiederkehrender sind als in rein kreativen Arbeitsfeldern.
Die beiden Parameter sind:
Externe Stunden – Wir können historisch einen klaren Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Mehrwert und Zeiteinsatz belegen. Damit wichtige interne Projekte nicht zu Lasten der Zielerreichung gehen, werden Stunden auf definierten internen Projekten mitangerechnet.
Umsatz pro externer Stunde – Dieser Faktor bringt die Effizienz ins Spiel. Viel Input alleine genügt nicht, die Ergebnisse müssen stimmen. Der Faktor verhindert auch einen unerwünschten Nebeneffekt: dass Zeiten auf Mandantenaufträge gebucht werden, die tatsächlich nicht in diesem Umfang angefallen sind.
Wichtig: Wer neben dem operativen Tagesgeschäft Führungsverantwortung oder umfangreiche interne Projekte übernimmt, erhält angepasste Ankerwerte. Wer ein Team führt, kann nicht dieselbe Anzahl externer Stunden erreichen wie jemand, der ausschließlich im Mandantengeschäft arbeitet. Das berücksichtigen wir.
Wie sich der Bonus berechnet
Die Berechnung ist bewusst einfach gehalten. Unter einem qualitativen Gesamtwert von 3 besteht kein Anspruch auf leistungsbezogene Vergütung. Der Cliff ist kein Strafmechanismus, sondern eine klare Spiegelung: Wer grundlegende Erwartungen nicht erfüllt, erhält auch keine leistungsbezogene Vergütung.
Ab einem Gesamtwert von 3 greift eine lineare Interpolation. Der Mindestbonus liegt bei 10 Prozent der Fixvergütung, der Maximalbonus bei einem Gesamtwert von 5 hängt vom Senioritätslevel ab – er beginnt bei 20 Prozent für Associates und steigt mit zunehmender Verantwortung auf bis zu 50 Prozent.
Jede Verbesserung im Gesamtwert schlägt sich direkt im Bonus nieder. Es gibt keine Stufen, bei denen man knapp darunter liegt und nichts davon hat. Jeder Zehntelpunkt zählt.
Kleine Anmerkung: die variable Vergütung greift erst nach der Probezeit, da wir in die Erfahrung gemacht haben, dass die ersten Wochen aufgrund mangelnden Kontextes in der Regel noch nicht das maximale Leistungsvermögen ausgereizt werden kann. In den ersten sechs Monaten fokussieren wir uns deshalb darauf, neue Teammitglieder schnellstmöglich in die Lage zu versetzen, herausragende Leistungen zu erzielen.
Was das für Bewerberinnen und Bewerber bedeutet
Die variable Vergütung ist ein fester Bestandteil des Kompensationspakets. Sie kommt nicht obendrauf, wenn es gut läuft – sie ist von Anfang an eingeplant. Das Fixgehalt ist wettbewerbsfähig, die variable Komponente ergänzt es substanziell.
Die Beurteilung erfolgt quartalsweise und nach klar kommunizierten Kriterien. Unser Anspruch: keine Blackbox, kein politisches Kalkül, keine Überraschungen.
Wir erwarten Leistungsbereitschaft – aber wir vergüten sie auch. Wer gute Arbeit leistet, wird dafür anerkannt. Wer herausragende Arbeit leistet, wird überproportional vergütet. Das ist kein leeres Versprechen, sondern die Mechanik unseres Systems.
Gleichzeitig sind wir ehrlich: Der Maximalbonus ist nicht der Erwartungswert. Wer bei uns anfängt, sollte nicht mit dem Maximum planen. Wer allerdings am Ende des ersten Quartals den Beurteilungsprozess durchlaufen hat, wird feststellen, dass Leistung bei uns kein abstraktes Konzept ist, sondern sich konkret in der Vergütung niederschlägt.
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Unser Bewerbungsprozess
Unser Bewerbungsprozess ist mehrstufig, transparent und durchgetaktet. Wer sich bewirbt, weiß vorher, was kommt. Keine versteckten Runden, keine Überraschungen, keine wochenlangen Wartezeiten zwischen den Schritten.

Über die Praktikumsmöglichkeiten bei Vogel
Praktika in der Steuerberatung haben nicht immer den besten Ruf. Oft beschränken sie sich auf Zuarbeiten am Rand des Tagesgeschäfts, ohne dass Praktikanten wirklich in die fachliche Arbeit eingebunden werden. Wir sind überzeugt, dass es anders geht – und dass sich das für beide Seiten lohnt.


